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Warum für mich „Gesprächskultur“ wichtig ist

Mag.a Annemarie Weinzettl



Dass ich das ernst meine, ergibt sich für mich aus der Zusammensetzung des Begriffs ‚Gesprächskultur‘ aus ‚Gespräch‘ und ‚Kultur‘.


‚Gespräch‘ bedeutet Dialog, Dialogführen, und das tun und erleben wir tagtäglich: in unseren privaten Beziehungen, am Arbeitsplatz, auf politischer Ebene, und überall dort, wo Kommunikation geschieht, auch online, über den Bildschirm. Beim Dialogführen kann es um Verständigung mit- und untereinander gehen, um Austausch von Gedanken und Information, um Vermitteln von Erkenntnissen, um Mitteilungen unterschiedlichen Inhalts und unterschiedlicher Absichten usw. Und dafür steht uns die Sprache zur Verfügung, akustisch und schriftlich – aber auch non-verbal, in Form von Gestik und Mimik. Wir sind dabei entweder Zuhörer, Beteiligte, Betroffene, Angesprochene oder auch nur Zuseher.


Die Sprache zeichnet uns Menschen aus und sie zu benützen bedeutet Verantwortung, worin Wort und Antwort stecken. Das wiederum heißt, dass dem Wort, unserer Wortwahl, besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist. Wir kennen doch alle die Redewendung „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück“. Alle Sprachen verfügen über eine Vielfalt von Ausdrucksformen mit inhaltsreichen Aussagen, die eine Wirkung, eine Kraft, ja, sogar (eine) Macht haben. Das gilt gleichermaßen für das gesprochene wie für das geschriebene Wort. Begriffe, Worte, die wir verwenden, signalisieren Einstellung, Haltung, Absicht des Sprechers oder Schreibers, wirken auf den Angesprochenen und sind daher von großer Bedeutung im zwischenmenschlichen Diskurs.


Werden wir nicht immer wieder ermahnt und ermahnen nicht auch wir selbst wiederholt respektvollen Umgang mit der Sprache ein? Respekt bestimmt unser gesamtes Sozialverhalten, das Miteinander zwischen den Geschlechtern, den Generationen in Familie, im Freundeskreis, in Schule und Beruf und in der Freizeit. Respekt äußert sich durch Aufmerksamkeit, Achtung, Wertschätzung, auch Bewunderung, und das alles drücken wir im Umgang mit unseren Mitmenschen durch Worte und Sprachbilder aus. Wir wissen, denn es ist erwiesen, dass freundliche, rücksichtsvolle Worte eine Atmosphäre des Wohlwollens erzeugen und Brücken zwischen Einzelnen, ganzen Gruppen oder Gemeinschaften bauen und so friedensstiftend sind. Worte können berühren, trösten, stärken, können Hoffnung, Vertrauen, Zuversicht geben. Hingegen erzeugen bösartige, zynische oder gar hasserfüllte Worte das Gegenteil, denn sie können verletzen, kränken, enttäuschen, diskriminieren, frustrieren, einschüchtern.


Worte transportieren also Emotionen und beeinflussen unser Denken und Handeln. Es stimmt, dass aggressive Ausdrucksweisen ein Gegenüber erniedrigen, Ruf schädigen, Existenzen ruinieren, zu Mobbing verleiten und sogar zu Gewalt führen können. Daher ist es wichtig, dass wir auf eine respektvolle Sprache und wertschätzende Wortwahl achten. Wir sollten uns ein Vertrauen aufbauendes, die Würde des Einzelnen unterstützendes, Gemeinschaft förderndes, Mut machendes Vokabular aneignen und nicht eines, das verführt, manipuliert oder verängstigt.


Dass wir dafür im öffentlichen Leben derzeit leider wenige bis keine Vorbilder haben, ist bedauerlich. In politischen Debatten, im öffentlichen Diskurs, in den Social Media, in Zeitungen, Fernsehen und Radio überschlagen sich oft beleidigende, polemische, geschmacklose, hämische, unredliche und sogar feindselige Ausdrucksweisen, die uns ratlos, ja beschämt und sprachlos machen.


Es bedarf daher der Besinnung auf das, was ich mit ‚Gesprächskultur‘ meine, die zu pflegen für den privaten wie für den öffentlichen Raum gelten muss. Der Begriff Kultur bedeutet ja Pflege und ist in unserem Kontext verbunden mit der Aufgabe, sich bewusst dem Einsatz von Sprache und ihren sorgsam gewählten Ausdrucksformen zu stellen. Selbst in Situationen von Kritik und Belehrung kommt es auf die Musik an, wie man gemeinhin sagt.


‚Gesprächskultur‘ verstehe ich als meine persönliche Verantwortung für wohlwollende Kommunikation und als Beitrag zur Erhaltung und Förderung des Friedens in unserer Gesellschaft, in unserer Welt, in der eine Atmosphäre von Respekt, Wertschätzung und Empathie spürbar sein und vorherrschen soll.


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